Freitag, 31. März 2017

Cruelty - Ab jetzt kämpfst du allein [Rezension]

Und zum ersten Mal, seit ich sieben war, falte ich die Hände und bete zu einem Gott, von dem ich weiß, dass er nicht existiert.'' 


Autor: Scott Bergstrom | Preis: 14,99€ | Seitenanzahl: 429 | Verlag: rowohlt | ISBN-10: 3499272660 | ISBN-13: 978-3499272660 | Teil einer Reihe?: Ja, Band 1 | Möchte ich haben!


Was tust du, wenn man dir das Liebste nimmt? Wenn du erfährst, dass dein Leben eine Lüge war? 

Zehn Jahre ist es her, seit ihre Mutter ermordet wurde. Wie immer verbringt Gwen den Todestag mit ihrem Vater. Danach reist er geschäftlich nach Paris. Tags darauf stehen zwei Unbekannte vor Gwens Tür. Sie erzählen eine unglaubliche Geschichte: Ihr Vater ist eigentlich CIA-Agent. Und bei einem Einsatz spurlos verschwunden. Wurde er entführt? Wollte er dem Geheimdienst den Rücken kehren? Die CIA stellt die Ermittlungen schnell ein. 

Gwen hat eine einzige Spur: den Namen des Kontaktmanns in Paris. Eine gefährliche Reise über mehrere Kontinente beginnt, immer dem Zentrum der Gefahr entgegegen. Bald sieht sich Gwen einem internationalen Netzwerk aus Waffenschieblern, Drogendealern und Menschenhändlern gegenüber. Und sie erkennt: Wenn man diese Gegner besiegen will, muss man so hart und grausam werden wie sie.

Schon als ich begonnen habe Cruelty zu lesen, war es in etwa wie reinste Poesie. Lange, verkapselte Sätze, detailverliebte Beschreibungen und tiefgängige Gedanken einer sympathischen und vielseitigen Protagonistin – vom Lieblingsbuchpotenzial gepackt war ich sofort und auch die Story hat es wirklich in sich. 
Es passiert selten, dass ein Thriller es schafft, mich so sehr in den Bann zu ziehen, gerade weil man als Leser oft schnell herausbekommt, wer der Kopf hinter der Thematik (sei es Mord, Vergewaltigung oder anderes) ist. Ganz anders ist es hier gewesen – zusammen mit Gwen jagt man den spärlichen Information hinterher; ob nun durch Städte, Länder oder Kontinente. Dieses Prinzip des Umherreisens hat mir gut gefallen, da man immer wieder einen kleinen Absatz in der Story hatte um alles Neue ein wenig sacken zu lassen, eine kurze Pause einzulegen und dann weiter in ein neues Gebiet zu reisen, neue Eindrücke zu sammeln und dem fertigen Puzzle ein Stück näher zu kommen. 
Auch spannungstechnisch kann ich definitiv nichts bemängeln. Mit jeder neuen Information geraten Gwen und der Leser tiefer in ein dunkles Netz, mit neuen Geheimnissen, Verschwörungen, Verbündeten und Feinden, wobei man nie so genau weiß, wem man wirklich trauen kann. Sowohl Gwen, als auch die Handlung sind unvorhersehbar, sodass man gar nicht anders kann als weiterzulesen. Ich jedenfalls war von Anfang bis Ende gepackt, woran auch die zahlreichen Actionszenen sicherlich ihren Anteil haben. Cruelty lebt gewissermaßen durch harte Kämpfe, was mich nie gestört hat, immerhin gehören sie dazu und auch, wenn ziemlich oft jemand zusammengeschlagen wird, habe ich nie das Gefühl gehabt, dass diese Gewalt zu sehr im Vordergrund stand, sodass ich es als störend empfinden hätte können. 
Hingegen gestört hat mich tatsächlich der teilweise definitiv zu dreckige Umgangston. Gerade durch die ersten Kapitel hatte ich mich schon an den einfühlsamen und wirklich wunderschönen Schreibstil gewöhnt, wodurch ich sowohl überrascht, als auch enttäuscht war, dass dieser etwas nachgelassen hat. Natürlich hat sich mit Gwen auch die Sprache weiterentwickelt, allerdings ist es einfach übertrieben, wenn man in drei Sätzen fünf mal das Wort 'ficken' verwenden muss, auch, wenn der Roman in dunklen und dreckigen Ecken spielt. 
Zudem ist mir oft aufgefallen, dass es Gwen sehr leicht fiel, auf neue Spuren zu stoßen, indem sie scheinbar belanglose Informationen kombiniert hat oder ihr schlicht und einfach etwas in den Schoß gefallen ist. Für mich persönlich gab es noch zu wenig Hindernisse, die ein wirkliches Problem hätten werden können, schließlich ist sie doch gerade erst ganz neu in ihrer Rolle als Racheengel und hatte trotzdem ständig alles in ihrer Gewalt. 
Neben dem, sonst wirklich fabelhaften, Schreibstil hat mich Gwendolyn, die Protagonistin, fasziniert. Man merkt bereits zu Beginn, dass sie etwas ganz Besonderes ist, bzw. etwas in sich hat, dass sie von anderen abhebt. Sie war mir wirklich von der ersten Seite an sympathisch und auch die Frau, zu der sie am Ende geworden ist, habe ich noch immer ins Herz geschlossen. Während des Romans entwickelt sich unser anfänglich recht schüchternes Mädchen nämlich zu einer wahren Meisterkämpferin. Und auch wenn diese Weiterentwicklung manchmal ganz schön schnell geht, hatte ich keinerlei Probleme damit, sie nachvollziehen zu können. 
Neben Gwen sind ebenso alle anderen Charaktere sehr gut ausgebaut. Mir persönlich fiel es immer schwer, herauszufinden, wer Freund und wer Feind ist, was sicherlich auch der Sinn hinter dem vielseitigen Ausbau der Protagonisten war. 
Aber vor allem mit Gwen habe ich stets gefühlt und gelitten – vor allem natürlich habe ich sie bewundert. Für ihren Mut und ihre Disziplin, und ich bin wirklich traurig, dass unsere gemeinsame Reise durch die Welt (vorerst) schon ein Ende hat.

 
,,Cruelty'' kann mit viel Spannung, einem wundervollen Schreibstil und einer ebenso fantastischen Protagonistin in einem düsteren und dreckigen Teil der Welt überzeugen. Zwar sehe ich noch kleine Schwächen; an der Tatsache, dass dieser Thriller eine absolute Leseempfehlung ist, ändert sich jedoch nichts.


Ich vergebe 4 von 5 Bücherwürmer.

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